Wummi "Episoden 1-3"

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Wummi und die Naggyflasche - Episode 1

 

Wie man Beton und Schuhsohlen zum Bröseln bringt…

 

Eine Kurzgeschichte von Volker Hochmuth im April 2012

 

Es war einmal…

 

Ein lautes knurrendes Geräusch riss Wummi aus ihren Träumen.

Sie hatte von einem herrlich klingenden, melodischen Lied geträumt und dass sie an einer reich gedeckten Tafel voller kulinarischer Herrlichkeiten saß. Sie fühlte sich dabei rundum wohl. In dem Moment, als sie sich der reichhaltig gedeckten Tafel mit den Köstlichkeiten bedienen wollte, erwachte Wummi  jäh aus ihrem Traum!
 
Ein Blick auf die Uhr sagte ihr, es ist halb neun, an einem Sonntagmorgen. Nach einigen Sekunden der Besinnung wähnte sie, die Ursache des unangenehmen Knurrens welches  sich mit einem flauen Gefühl im Magen verband,  ergründen zu können.

Innerhalb einiger weiterer Sekunden transportierte ihr knurrender Magen die Information, dass er dringend Nachschub benötige, unumwunden an das Großhirn. Die Weiterleitung an das Tagesbewusstsein, das wiederum die Blitzbemerkung an das Sprachzentrum abgab um es lautstark artikulieren zu können, was dann auch prompt geschah. Diese Reaktion ließ nicht lange auf sich warten.

 

Käse, Brötchen, Butter, Wurst und Marmelade mit heißem Kaffee!
 
Diese, nahezu rasenden, Gedanken brachten Wummi dazu ihren behäbigen Körper aus dem Bett zu wuchten. Jetzt war alles sonnenklar! Wummi kam der grandiose Gedanke Brötchen zu holen.

Nach einer weiteren halben Stunde erreichte sie das nahe gelegene Lebensmittelgeschäft. Es war ein Laden der gerade umgebaut hatte und somit neu eröffnet wurde. Die Ladenbesitzer dachten sich sicherlich je mehr Regale, je mehr Sortiment, desto mehr Kunden. Das hatte zur Folge, dass die Regalgänge, in denen sich ein reichhaltiges Angebot befand, langsam und bedächtig durchschritten werden sollten.
 
Behende hatte sich Wummi durch die Ladentür geschwungen, das hatte sie vielfach geübt und erblickte die vielen, interessanten Lebensmittel. Zu ihrem Unglück befanden sich Wurst- Fleisch- und Brötchentheken am hintersten Ende des Ladens. Sie musste also zwangsläufig einen möglichst schadenfreien Weg durch die Regalgänge finden.
 
Getrieben durch ihr Bauchgefühl, welches inzwischen dramatische Befindlichkeiten angenommen hatte, begann sie sich ihren Weg durch den Lebensmittel - Parkour zu erkämpfen. Nach den ersten drei Metern stellte sie mit Freude fest, dass bis hierher alles gut gegangen war. In dieser Sekunde vernahm Wummi ein Scheppern und klirren an ihrer rechten, hintersten Körperseite. Erschrocken drehte sie sich um, denn dieses Geräusch kannte sie von anderen Ladengängen und sah eine Flasche mit undefinierbarem Inhalt zerbrochen und völlig ausgelaufen am Boden liegen. Noch während ihrer vor Schreck unkontrollierten Körperdrehung vernahm sie ein weiteres, etwas bedrohlicher klingenderes Mehrfachgeräusch.

 

Der Angstschweiß trat Wummi auf die Stirn.
 
Was sie sah waren einige weitere Flaschen, anderen Sorten, aus dem eine etwas Türkis bis grünlich aussehende Flüssigkeit austrat. Der Inhalt dieser Flaschen verband sich mit dem Inhalt der ersten Flasche zu einer undefinierbaren und zähflüssigen Masse. Noch ehe Wummi jemanden zur Hilfe rufen konnte breitete sich, die auf diese Weise entstandene Masse, zielstrebig über dem Ladenboden aus und erreichte ihre Schuhsohlen.

 

Ein halber hektischer Schritt führte sie, nach der Sichtung dieser Masse, nach rechts zurück. Ein Kunde, den sie nicht sehen konnte, stieß einen Schmerzensschrei aus, der nicht zu überhören war. Dieses Szenario, in dem sonst so beschaulichen kleinen Laden, löste eine nahezu mittlere Katastrophe aus. Es drängten sich viele Kunden in die Nähe der Schadensstelle.
 
Mit der Frage ob etwas passiert sei wollten diese Menschen wahrscheinlich zum Ausdruck bringen, dass sie alle mitwirkend sein wollten und zugleich den Eindruck erwecken sie seien hilfsbereit.
Noch während alle durcheinander fragten was passiert sei, verschwand die Flüssigkeit lautlos, langsam und sicher, einen kleinen Trichter bildend, im Ladenboden. Wummi bekam währenddessen den Eindruck sie hätte auf einem Fuß keinen Schuh mehr.

 

Das Stimmengewirr wurde leiser und leiser, denn niemand hatte zuvor in dem Laden und seinem Boden, der frisch renoviert war, ein Loch entdeckt!

 

Wummi versuchte inzwischen, hinkend mit einem vollständig erhaltenen Schuh und einem ohne Sohle, den Laden zu verlassen. Niemand achtete auf Wummi.
Völlig neben sich erreichte sie Ihre kleine Wohnung und ruhte sich nachdenkend aus.

 

Am nächsten Tag erschien in der Tageszeitung eine Kurznachricht, dass in einem Laden in der Nähe, eine gefährliche Flüssigkeit, aus noch unbekannten Gründen, einen erheblichen Schaden verursacht hätte und die zuständigen Behörden diesen Vorfall untersuchen.

 

©by Volker Hochmuth 2012

 

 

Wummi und das Rednerpult – Episode 2

 

Wie man mit einem Satz eine Katastrophe auslösen kann…

 

Eine Kurzgeschichte von Volker Hochmuth im April 2012

 

Montag früh!

 

Wummi liest folgende Nachricht in der örtlichen Tageszeitung.

 

„In einem Laden in der Nähe, sei eine gefährliche Flüssigkeit, aus noch unbekannten Gründen ausgelaufen und hätte dort einen erheblichen Schaden verursacht. Die zuständigen Behörden untersuchen derzeit diesen Vorfall, stünden aber vor einem Rätsel bei der Aufklärung!“

 

Blass und starr vor Schreck warf sie die Tageszeitung auf den Küchenboden und ging zum Kühlschrank. Was Wummi dort vorfand waren keine Brötchen, kein Käse, keine Marmelade, keine Wurst, lediglich ein einsames Schnitzel lag eingewickelt in der hintersten Kühlschrankecke.

 

Nach einigen Sekunden Bedenkzeit landete das Schnitzel in der Bratpfanne und begann sich langsam bräunlich zu verfärben. Während sie in Gedanken versunken das Schnitzel beobachtete, stellten sich bei Wummi dunkle und zugleich traurige Gedanken ein. Ihre innere Stimme kreierte eine Art immer wiederkehrenden Singsang  welcher ihr sagte, dass sie selbst dringend eine Veränderung benötige. Die innere Stimme sagte ihr sie solle sich auf Ihre Talente besinnen, zu sich finden und nach gleichgesinnten suchen.

Während Wummi genüsslich das seltsam veränderte, bräunliche Etwas verschlang nahm sie sich vor, auf die Suche nach diesen, gleichgesinnten, zu gehen und über ihre Talente nach zu denken.

 

Einen Monat später!

 

Es war an einem Freitagabend.

 

Wummi war auf der Suche nach den gleichgesinnten auf eine Gruppe von Menschen gestoßen, die sich selbst „Stadtteil-Verein e. V.“ nannten.

 

Nachdem sie beim Vorstand vorgesprochen hatte und bereits zu einer Besprechung eingeladen worden war, sollte an dem heutigen Tag, eine großangelegte Vereins - Mitgliederversammlung stattfinden. Man hatte ihr gesagt, dass sich alle neuen Mitglieder vorstellen sollen und ihre eigenen Gedanken zum Verein und den Zielen darlegen.

 

Das fand Wummi logisch und nahm sich vor genau das zu tun. Sie hatte sich einige Zeit vorher gemütlich in ihrem Sessel sitzend belesen, etwas Wein getrunken und dazu circa 2 Tütchen Kartoffelchips genascht. Kartoffeln könne sie gut vertragen, die machen nichts, beruhigte sie sich dabei immer wieder.

 

Die Ideen finde ich gut und ich kann das alles verstehen. Das waren ihre Gedanken beim Lesen.

 

Während dessen tauchte plötzlich, zwischen einer Handvoll Kartoffelchips und einem großen Schluck Wein, ein Gedanke auf.  „Wenn ich das verstehen kann, dann rede ich darüber, sind ja gleichgesinnte!“  Schließlich steht da der Slogan geschrieben „Einer für alle – Alle für einen“ und ich muss ja meinen Talenten folgen.

 

Diese Idee fand Wummi sehr gut und sie fasste Mut!

 

„Auf zu neuen Ufern“ rief sie froh und enthusiastisch, in Gedanken“.

 

Die Stunde der Wahrheit rückte von Sekunde zu Sekunde näher.  Wummi saß auf ihrem Stuhl, in der Mitgliederversammlung.

 

Eben, in diesem Moment, riss der Redner vorne am Pult, Wummi aus Ihren Gedanken mit den Worten, das sie nun nach vorne ans Rednerpult treten sollte, um sich vorzustellen.

Ein Ruck ging durch ihren Körper welcher in der Lage war die Welle des Erschreckens durchaus abzufangen, so dass man es nicht deutlich sehen konnte.

 

Sie saß auf dem 8. Stuhl von rechts in der 5. Reihe mitten unter den Mitgliedern. Langsam und behäbig erhob sich Wummi von ihrem Stuhl, denn sie hatte immer noch den Ladengang vom Sonntag im Kopf und war deshalb sehr, sehr behutsam. Während sie sehr vorsichtig aufstand vernahm sie hinter sich einen Tonfall, der an ein verkniffenes „uhhhmmmooooch“ erinnerte.

 

Das bezog sie in diesem Moment noch nicht auf sich, denn schließlich war sie ja vorsichtig aufgestanden. Wummi hatte nur nicht die engen Stuhlreihen bedacht und dabei ihre Stuhllehne an das Kinn des hinter ihr sitzenden Vereinsmitglieds geprallt. Folglich kümmerte sie sich nur darum, durch die Sitzreihe vorbei an den neben ihr sitzenden Mitmenschen zu kommen, um letztlich den Gang zum Rednerpult erreichen zu können. Auf Grund des nun entstehenden Platzmangels, der durch Wummis Ansinnen nach vorne kommen zu wollen entstand,  fühlten sich diese Mitmenschen wohl auch wegen des sich annähernden Gefahrenpotentials genötigt, ebenfalls von den Stühlen aufzustehen.

 

Der Effekt war ein Minitumult. Der Mensch hinter ihr hatte mit seinem Kinn zu tun, die neben ihr sitzenden Menschen mit ihren Füssen, eine ältere Dame wusste nicht wohin mit ihrem Regenschirm und ein anderes Mitglied in der Stuhlreihe musste behende seinen Einkauf in Sicherheit schaffen.

 

Letztlich erreichte Wummi den Gang.  Alle beruhigten sich zunächst. Es trat Ruhe ein während Wummi bedächtig und noch vorsichtiger den Gang entlang zum Rednerpult schritt. 

 

Reiße Dich zusammen, es ist alles gut so wie es ist. Ich folge ja nur meinen Talenten!

 

Diese Gedanken durchrasten Wummis ganze Persönlichkeit, während sie inzwischen das Pult erreichte.

 

Ein Blick in das Publikum!

 

Sie beruhigte sich nur sehr langsam und nutzte die Zeit um sich das Publikum anzusehen. Da war ein Mann der sich ein Taschentuch ans Kinn hielt, eine ältere Frau hantierte  mit ihrem Regenschirm, einige bewegten mit zerknirschter Miene ihre Füße. Wieder ein anderer bemühte sich die Tomaten einzusammeln welche wohl aus der Einkaufstasche gerollt waren.

 

Während Wummi das alles sah, dachte sie, das sind aber seltsame Menschen und erhob dabei ihre engelsgleiche Stimme zu einigen Grußworten.

 

„Ich freue mich sehr, dass ich hier bei Euch sein darf und wünsche allen anwesenden einen interessanten aber auch entspannten Abend.“ …

 

Jemand aus dem Publikum sagte in diesem Moment, dass der bereits begonnen hätte, ihm einige Tomaten abhandengekommen waren und das von Entspannung nicht die Rede sein kann. Ein weiterer Mann kündigte mit gequälter Stimme an, dass er zum Arzt wolle um seinen Fuß untersuchen zu lassen. Die Frau mit dem Regenschirm stampfte mit demselben laut und sehr energisch auf den Fußboden während sie brummelte „das ist ja unmöglich“.

 

Bevor Wummi sich selbst vorstellte, ihren Namen sagte, was sie beruflich tue und was ihre Talente seien, entschloss sie sich indessen weiterzusprechen, um zunächst mit Ihrer Meinung zu den Vereinsdokumenten  aufzuwarten.

 

… „Mir ist beim Lesen der Dokumente besonders der Slogan aufgefallen. Einer für alle – Alle für einen. Da ich ein Mensch bin, der behutsam durchs Leben geht, und über die Dinge nachdenkt bevor er sie tut, muss ich Euch sagen, dass ich im Dokumentenverlauf die Umsetzung nicht wiederfinden konnte. Da ich auf dem Weg bin meinen Talenten zu folgen, biete ich Euch an, dabei eine aktive Hilfe zu leisten. Ich habe mir das wie folgt vorgestellt…

 

Wummi war sich nun ganz sicher den richtigen Ton gefunden zu haben. Sie fuhr fort mit den durchschlagenden Worten:

 

… Da ich eine Mitarbeiterin aus dem Bereich Behörden bin, fühle ich mich dazu berufen folgende Änderungen an den Dokumenten“

 

Weiter kam Wummi mit ihrer enthusiastischen Rede nicht!

 

Einige sprangen von ihren Stühlen auf und redeten wild durcheinander. Die Frau mit dem Regenschirm fuchtelte damit herum, der Mann mit dem Taschentuch auf dem Kinn rannte aus dem Saal, derjenige der mit seinem Fuß zum Arzt wollte, humpelte Richtung Ausgang und vorne am Rednerpult versammelte sich eine aufgeregte Menschenmenge, während aus einigen Stuhlreihen Tomaten auf den Gang rollten.

 

Auf Wummi aber achtete niemand. Sie entwich durch eine Seitentür in der Nähe des Rednerpultes.

 

Nach zwei Wochen erreichte ein E-Mail vom Vorstand alle Mitglieder, indem geschrieben stand, dass der Vorstand alle Vereinsdokumente prüfen lässt und damit drei Mitglieder beauftragt hätte. Alle Mitglieder würden weiterhin über den Verlauf der Dinge  informiert werden.

 

Ob Wummi diese E-Mail erreicht hat, bleibt unklar.

 

©by Volker Hochmuth 2012

 

 

Wummi und die Sprechstundenhilfe – Episode 3

 

Wie man einen Psychologen zur Verzweiflung bringt…

 

Eine Kurzgeschichte von Volker Hochmuth im April 2012

 

Die Zeit danach!

 

Es  sind drei Monate vergangen von dem Tag an als Wummi aus der Vereinsmitgliederversammlung verschwunden war!

 

Sie ging ihrer Arbeit nach und erfüllte ihren Job nach wie vor vorbildlich. Wummi aber dachte in ihren einsamen stillen Stunden sehr intensiv und immer wiederkehrend über sich und diese Welt nach. Zuweilen rasten ihre Gedanken von dem Loch im Ladenboden zu den rollenden Tomaten, über das verletzte Kinn, zu der Frau mit dem Regenschirm welche sich so echauffiert hatte, bis hin zu dem Tumult im Saal und am Rednerpult bei der Mitgliederversammlung und den sonstigen missglückten Dingen in ihrem Leben. Letztlich fiel ihr bei der Gedankenraserei auf, dass sie selbst, bei nahezu jedem Lebensdilemma, immer die Flucht ergriffen hatte.

 

Das alles versetzte Wummi nahezu in Angst und Schrecken. Es verletzte Ihre Seele zum wiederholten Mal. Immer dann, bei diesen Gedanken, kam ihr ein fataler Einfall: Mein Platz, hier in diesem leben, ist nicht der richtige.

 

Sie war verzweifelt und dem Wahnsinn nahe. Immer häufiger und nur in einsamen Stunden, allein zu Hause, mit Ihren Gedanken und der Gedankenraserei, kam ihr dieser Einfall in den Sinn.

 

Was aber niemand wusste. Da war noch Pipi, der Wellensittich. Sie hatte ihm über lange Zeit das Sprechen beigebracht. Immer wenn Wummi nach Hause kam rief er „Hurra Wummi ist da“. Das war zumeist ihr Lebenshaltepunkt! Sie sprach mit Pipi, stundenlang und öffnete ihm ihr Herz, was bislang noch kein Mensch jemals für sie getan hatte…

 

Drei weitere Wochen später!

 

Es war 19:00 Uhr, die Arbeit bei der Behörde war vorbei. Wummi ging langsam und verhalten, sehr bedächtig den langen Flur entlang, auf ihrer Etage, wo sich ihr Büro befand, Richtung Fahrstuhl. In Gedanken versunken und an Pipi denkend stieg sie in den Fahrstuhl welcher in das Erdgeschoss hinab glitt. Eine feine aber dennoch sehr kräftige Stimme sagte „Hallo Wummi, wir haben uns schon lange nicht gesehen. Wie geht es Dir?“

 

Die Welle des Schreckens welche durch ihren Körper fuhr, war nur sehr schwer zu erkennen. Schließlich konnte ihre Statur derartige Schreckenswellen sehr gut verbergen. Der Grund für die Welle des Schreckens war diese Frage. Sie dachte dabei „Jemand fragt nach meinem befinden?“ Der Effekt daraus war, dass Wummi einen Henkel ihres kleinen Beutelchens verlor. Abrupt rollten sofort in Sekundenschnelle, vier Brötchen, eine Fleischwurst, fünf Tomaten, einmal Catchup und eine Flasche Rotwein auf den Fahrstuhlboden. Von der Chip-Tüte ganz zu schweigen.

 

Wummi schaute auf und erblickte „Hera“. Wummi kannte sie oberflächlich aus der Zeit als sie bei den Behörden ihren Job antrat. Sie beide hatten sich angefreundet weil es damals um diffizile Themen ging die sich auf Chemie bezogen und so ‘n Zeug.  Was alles in den Lebensmitteln drin sein sollte. Es ergab sich eine Sekundenkommunikation. Hera sagte, dass sie selbst, bezogen auf Wummi bemerke, es habe eine erhebliche Veränderung stattgefunden und es höchste Zeit wäre Hilfe zu suchen. Auch weil sie selbst den Beruf geändert hatte und nun Psychologin mit erweiterten Schulungen wäre und nun endlich eine Familie hätte! Der Fahrstuhl kam im Erdgeschoss an und es öffneten sich die Türen.Hera rief Wummi einen lieben Abschiedsgruß zu, reichte ihr zwei Visitenkarten und verschwand zwischen den Menschen, die nur an den Feierabend dachten und somit in Eile aus dem Gebäude verschwanden.

 

Niemand achtete auf Wummi!

 

Die zwei Visitenkarten in der Hand haltend ließ sich Wummi sehr nachdenklich in den nächstgelegenen Sessel  am Fahrstuhl in der Vorhalle fallen und dachte nach.

 

7 Tage später!

 

Sie hatte die Adresse des Psychologen gefunden und trat durch die Tür in die Praxis. 

 

Es schien so als ob eine Blumenrabatte im Weg war, denn es gab ein schepperndes und klirrendes Geräusch als Wummi durch die Tür schritt.  Wummi hingegen war während dessen sehr mit dem Gedanken beschäftigt nach vorne an den Tresen zu kommen  um die Anmeldeprozedur hinter sich zu bringen. Relativ schadensfrei am Tresen angekommen, reichte sie der jungen und sehr schlanken Dame ihre Karte hinüber. Diese fragte Wummi zunächst  freundlich und lächelnd ob ihr etwas geschehen sei beim Eintreten in die Praxis. Wummi bestätigte sehr verwirrt, dass bislang alles in Ordnung sei. Die Sprechstundenhilfe schaute zu dem Dilemma an der Tür, sagte dass sie das sogleich in Ordnung bringen wird und beendete diese Kommunikation mit den Worten  „Vielen Dank für Ihren Besuch bei uns. Nehmen sie bitte im Warteraum Platz, sie werden aufgerufen.“  Wummi ging sehr vorsichtig in Richtung Warteraum, während sie hinter sich die typischen Geräusche vernahm, wenn jemand Scherben zusammenfegte und Feuchtigkeit vom Boden aufwischte.

 

Im Warteraum angekommen stellte Wummi fest, dass nur noch ein einziger Stuhl zwischen zwei älteren Herren frei war. Es entstand bei ihr, in diesem Moment, das allzu bekannte und zugleich  ungute Gefühl sehr, sehr vorsichtig sein zu müssen. Zunächst fokussierte sie den Platz wo man die Jacken aufhängen könne. In der Ecke links von ihr war der Kleiderständer. Wummi bewegte sich vorsichtig und etwas schüchtern in Richtung Kleiderständer. Auf etwa halben Weg dorthin vernahm sie die etwas energisch klingenden Worte „Bitte Vorsicht!“.  Nahezu zeitgleich ertönte ein knirschendes und etwas metallisch klingendes Geräusch. Völlig außer sich, schwungvoll aber dennoch vorahnend, drehte sich Wummi erschrocken halb nach links, wobei sie ihre eigene Handtasche nicht beachtete. Ihre Handtasche war im Gesicht eines sitzenden Mannes gelandet der sich nun zähneknirschend die Wange festhielt welche sich rötlich verfärbte. Die Metallschnalle von Wummis Handtasche war frontal an seine Wange geraten und verursachte die rötliche Verfärbung. Noch während dessen sammelte eine Dame mittleren Alters die Reste ihres neuen Handys aus ihrer Tasche welche sie neben sich am Boden deponiert hatte. Wummi war versehentlich auf einen Teil der Handtasche getreten. Mit diesem Tritt hatte sie dem Handy den Rest gegeben und es für immer außer Dienst gestellt.

 

Der daraus resultierende Tumult im Wartezimmer, gepaart mit den Bemerkungen einiger Patienten, rief die Sprechstundenhilfe auf den Plan. Die junge Dame erschien sogleich in der Tür des Wartezimmers und erkundigte sich mit sachkundigen Blicken, die sich auf Wummi richteten, was denn passiert sei und ob jemand Hilfe benötige. Die Patienten im Wartezimmer richteten schweigend ihre Blicke auf Wummi. Diese stillschweigenden Blicke deutete die Sprechstundenhilfe zielsicher als Hilferuf und forderte Wummi unauffällig auf, in das Behandlungszimmer Nummer 1 zu gehen und sich dort einen Moment zu gedulden.  Wummi drehte sich sehr vorsichtig um und verließ mit gesenktem Kopf schweigend das Wartezimmer während ihr immerfort ein Gedanke durch den Kopf raste „Ich folge doch nur meinen Talenten. Was kann daran falsch sein“.

 

Im  Behandlungszimmer angekommen setzte sie sich auf den freien Stuhl vor dem Schreibtisch. Es herrschte dort eine unangenehme Stille. Eine Art Sofa stand zu ihrer rechten, umgeben von einigen Blumenrabatten, schräg in den Raum hinein. Daneben stand ein weiterer Stuhl. Wummi saß regungslos auf ihrem Platz und schaute sich zögerlich im Raum um. Nur ein einziger Satz hämmerte gnadenlos durch ihre Gedanken „Ich muss meinen Talenten folgen“ während ihr Schweißperlen auf die Stirn traten. Ihr Herz begann zu rasen und Angst durchzog ihre Persönlichkeit.

 

In diesen langen Augenblicken trat der Psychologe in den Raum und sprach zunächst folgendes „Guten Tag Wummi, was kann ich für Sie tun? Wie fühlen Sie sich? Es freut mich, dass Sie zu uns gekommen sind“.

 

Der Psychologe hatte dabei ein freundliches Lächeln aufgesetzt, setzte sich auf seinen Platz hinter dem Schreibtisch und schrieb etwas in eine Akte die er unter dem Arm gehalten hatte.

 

Wummi war mit dieser Situation und der Begrüßung völlig überfordert und Antwortete nichts. Schweigend, mit einem starren Blick in Richtung Fester, saß sie wortlos auf ihrem Stuhl und verstand die Welt nicht mehr.

 

Der Psychologe schaute dabei von seiner Akte auf und fragte was Wummi bedrücke und ob sie sich ihm offenbaren wolle. Dabei verschwand sein Lächeln und wich einem fragenden nahezu bohrenden Blick. Parallel dazu vollzog er mit der rechten und linken Hand, synchron, Bewegungen, die sie dazu animieren sollten, sich zu öffnen.

 

Sekunden danach brach es aus Wummi heraus! Panisch und mit erhobener, energischer Stimme rief sie „Was sind meine Talente? Ich suche Sie! Ich weiß was ich leisten kann! Niemand versteht was ich tue und sage. Die Menschen sind mir fremd und ich mag sie nicht, weil die Menschen mich nicht verstehen können. Sie sehen nicht. Blindlings stürzen sich die Menschen in das Leben und vergessen  ihre Nachbarn.“

 

Während Ihrer energischen Rede war Sie vom Stuhl aufgesprungen, zum Sofa gelaufen und kam dort schwungvoll zum Liegen. Genau passgerecht lag sie nun auf dem Sofa und rief sehr laut „Sie sind doch Psychologe, sagen Sie mir was mich daran hindert meinen Talenten zu folgen“.

 

Während der Psychologe einen der Blumentöpfe vom Boden aufhob und denselben zur Seite stellte, sagte er, dass er in ihr eine Blocklade sehe. Er fügte hinzu „Öffnen Sie sich Wummi und sprechen Sie über ihr Problem. Ich möchte ihnen Helfen und ihnen den Weg zeigen der in ihnen liegt“. Zeitgleich rief er die Schwester und bat sie, ihm ein Glas Wasser zu bringen.

 

Daraufhin erhob Wummi erneut ihre Stimme und rief „Sie haben vorhin gesagt dass sie sich freuen. Sie haben gesagt es freut sie, dass ich zu ihnen gekommen bin. Was soll das denn heißen! Freuen sie sich wenn die Menschen zu ihnen kommen müssen? Ihr Warteraum ist voll und es war nur ein einziger Stuhl frei welches mir zu denken gibt. Ich bin nur hier weil sie mir helfen sollen einen Weg zu meinen Talenten zu finden“.

 

Der Psychologe war offensichtlich nervös. Es gefiel ihm nicht dass die Arzt- Patientenkommunikation so lautstark verlief. Mit der Frage an Wummi wo ihrer Meinung diese Talente liegen würden und welches Problem sie am meisten belastet, endete dieser Besuch in der Praxis des Psychologen mit den Worten von Wummi „jetzt habe ich meine Talente erkannt und weiß jetzt wo mein Weg ist“, abrupt.

 

Behende wie nie zuvor entwich sie aus dem Behandlungszimmer Nummer 1, stürmte durch die Praxis und benutzte die Ausgangstür ohne etwas herunterzureißen, umzustürzen oder etwas anderes zu beschädigen.

 

Der Psychologe blieb in seinem Behandlungszimmer sitzen, lief noch lange unruhig von einer Raumecke in die andere, hielt seine Arme hinter dem Rücken verschränkt  und dachte sehr intensiv nach…

 

Wummi hinterließ in der Praxis des Psychologen einen bleibenden Eindruck. Noch sehr viele Tage danach unterhielten sich die Mitarbeiter, wie Wummi den Chef beeindruckt hatte.

 

Alle achteten auf Wummi!

 

© by Volker Hochmuth 2012

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